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Zahlenspiele

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Warum gibt es bisher eigentlich kaum guten Cidre in Deutschland? 

Prolog: die Suche

Versuchen Sie mal, in Deutschland einen guten Cidre zu kaufen. Also einen aus der Bretagne oder aus der Normandie. Das ist schwer. Es gibt den Cidre von Kerné, saisonal den „Cidre Breton“ von Jacques Weindepot und pünktlich zum Sommer die 1,49-Euro-Offerten der Discounter. Das war’s so ziemlich, auch wenn das Angebot wächst.

Der geneigte Cidre-Trinker begibt sich also mit seinem Schul-Französisch auf google.fr auf die Suche. Mit Erfolg. Cidrerien sind schnell ermittelt – nur der Weg wird nun zum Problem. Bestellen aus Deutschland? Impossible, malheureusement! Denn guter Cidre wiegt schwer. Der Versand wäre teurer als das Getränk, probieren Sie’s aus.

 

Tragödie

… und so zimmern wir am 1.Mai 2016 mit Liebe und Gelduld den Crêpes-Stand in den Garten, laden aus alter Tradition die auch nicht mehr jungen Freunde ein – und wieder gibt’s nur Supermarkt-Cidre.

& Entscheidung

2017 wird das anders sein!   

Text:

1.400 Kilometer sind es von München in die Bretagne. Das ist weit. Aber denkt man an den Atlantik, die Austern und den Cidre, dann ist es nah genug. So überrede ich drei trinkfreudige Freunde (das war leicht) und wir fliegen gemeinsam nach Nantes, in den Nordwesten Frankreichs.      

Was Sie hier im Shop kaufen können, ist das erste Ergebnis dieser Reise. Es ist ein Anfang, denn unsere Liste toller bereits verkosteter Cidre und Guillevic ist noch lang. Wir werden sie alle hier anbieten. Es kann ein bisschen dauern, aber es kommt. 2017 muss niemand mehr für Cidre in den Supermarkt.

Epilog: die Kalkulation

Weintrinker wissen: An Händlern mangelt es nicht. Dicke Kataloge füllen den Briefkasten und Sonderangebote das Email-Postfach. Warum aber ist guter Cidre so rar?

Einfache Antwort: Das Geschäft lohnt sich nicht.

Cidre ist ein reines Naturprodukt. („Bio“-Zertifikate dienen hier eher der Vermarktung, denn mehr Bio als bei einem traditionellen Cidre ist schwer zu machen.) Die Apfelhaine sind das Jahr über weitgehend sich selbst überlassen. Im Herbst fallen die reifen Früchte vom Baum. Erst jetzt braucht es den Mensch: Er sammelt die Früchte auf und quetscht sie aus. Der Saft reift ohne Zusätze in großen Tanks zu Cidre heran und kommt in den Verkauf – für kleines Geld, mit großem Geschmack. Die Erfahrung des Winzers spielt bei der Qualität eine Rolle, ebenso die Kellertechnik und der Jahrgang.

Nimmt man die Flasche, das Etikett und den teuren Naturkorken hinzu, kostet unser Cidre immer noch nur wenige Euro. Drei, vielleicht vier, mehr nur selten.

Nun steht der Cidre in der Cidrerie. Es folgt der teure Weg auf ihren Tisch:

  • der Transport aus Frankreich nach Deutschland (über 1.000 km, weite Strecken mit Maut)
  • die Einführung in Deutschland: 0,51 EUR/l kommen allein an Sektsteuer hinzu (deshalb gibt’s Billig-Cidre nie mit Naturkorken, denn dann darf die Steuer nicht erhoben werden)
  • Einlagerung  und der Versand (einen netten Menschen braucht’s dazu ja zumindest)
  • Lagerung (… in unserem Fall im Zentrum von München), gegebenenfalls Kühlung
  • Das Shopsystem und die Prozente für Bezahlanbieter wie Paypal
  • Der kleine Obolus fürs Duale System
  • Die 19% MwSt., die ja in Frankreich noch nicht dabei waren
  • Zertifizierte Versandkartons für Wein/Schaumwein/Magnumflaschen  (googlen Sie das mal!)
  • Apropos Google: die Werbekosten pro Click, damit Sie uns finden.

Und dann wäre da noch unser Gewinn. Der ist weniger monitär. Er heißt: 

Exzellenten Cidre am 1. Mai 2017. Was für ein Fest! Fast könnte ich wetten, man erklärt ihn zum Feiertag, den 1. Mai. Feiern Sie mit uns, es würde mich freuen.

Tankred Gugisch